Begriffe

Alltagskompetenz

Unter Alltagskompetenz versteht man, dass ein Erwachsener die alltäglichen Aufgaben innerhalb seiner Kultur selbständig und unabhängig in einer eigenverantwortlichen Weise erfüllen kann.

Die “Eingeschränkte Alltagskompetenz” hat der Gesetzgeber mit Einfügen des § 45a in das SGB XI versucht zu präzisieren, um den seit dem 01.01.2002 “Berechtigten Personenkreis” festzulegen: Betroffen sind Pflegebedürftige in häuslicher Pflege, bei denen neben dem Hilfebedarf im Bereich der Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung ein erheblicher Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung gegeben ist. Dies sind Pflegebedürftige der Pflegestufen I, II oder III mit demenzbedingten Fähigkeitsstörungen, mit geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen, bei denen der Medizinische Dienst der Krankenversicherung im Rahmen der Begutachtung nach § 18 SGB XI als Folge der Krankheit oder Behinderung Auswirkungen auf die Aktivitäten des täglichen Lebens festgestellt hat, die dauerhaft zu einer erheblichen Einschränkung der Alltagskompetenz geführt haben.

Für die Bewertung, ob die Einschränkung der Alltagskompetenz auf Dauer erheblich ist, werden Bereiche aufgeführt wie z. B. Weglauftendenzen, Verkennen gefährlicher Situationen, Unfähigkeit zur Kooperation oder Strukturierung des Tagesablaufs oder aber auch anhaltende Zustände von Depression und Angst mit ihren Folgen.

Ambulanter Pflegedienste

betreuen nicht nur schwerst Pflegebedürftige, sondern erbringen häufig nur Teilleistungen wie Verbände anlegen oder die Tabletten/Medikamente für den Tag vorbereiten bei Personen, die ansonsten selbständig sind. Die Hauptlast der Versorgung für die meisten Patientengruppen liegt meistens bei pflegenden Angehörigen.

Die Mitarbeitenden der ambulanten Dienste betreuen tagsüber meist mehrere Menschen nacheinander, wobei die Dauer und die Häufigkeit der „Besuche“ bei 1- bis 5-mal täglich, aber auch ganztägig, je nach Vereinbarung bzw. Bedürftigkeit, liegen kann. Häufig ist es aber nur 1 Besuch oder, weniger häufig, 1x morgens und kürzer am späten Nachmittag. Im Bereich der Ambulanten Pflege arbeitet meist ausgebildetes Personal: z. B. Kranken- oder Altenpfleger/-in.

Angehörige von Menschen mit Demenz

Unstrittig in der wissenschaftlichen Forschung ist, dass die Pflege eines von Demenz betroffenen Angehörigen eine besondere psychische wie physische Belastung darstellt. Insgesamt werden etwa zwei Drittel aller von einer Demenz betroffenen Menschen zuhause betreut, in der Regel von einem oder mehreren Angehörigen, oftmals auch mit zumindest zeitweiser Unterstützung eines ambulanten Pflegedienstes. In der Mehrzahl übernehmen Ehefrauen, Töchter oder Schwiegertöchter der betroffenen Menschen die Pflege.

Arbeitnehmer-Entsendegesetz (AEntG)

ist ein Gesetz, auf dessen Grundlage in Deutschland in bestimmten Branchen Mindeststandards für Arbeitsbedingungen festgelegt werden können. Ziel des Gesetzes ist die Festschreibung zwingender Arbeitsbedingungen für Arbeitnehmer, die von im Ausland ansässigen Arbeitgebern zur grenzüberschreitenden Erbringung von Dienstleistungen nach Deutschland entsandt werden.

Demenz

Eine Demenz ist demzufolge eine Kombination von Symptomen des zunehmenden Abbaus kognitiver, emotionaler und sozialer Fähigkeiten, die im Verlaufe der Krankheit zu einer Beeinträchtigung beruflicher und später allgemein sozialer Funktionen führen. Als Leitsymptom gilt die Gedächtnisstörung.

 

Die häufigste Form einer Demenz ist nach der einhelligen Aussage der Fachliteratur die Alzheimer-Krankheit.

Häufigere Demenzformen (Zahlen aktuell August 2005)
Alzheimer-Krankheit ca. 50 % bis 60 %
Vaskuläre Demenz ca. 20 %
Mischform beider o.g. ca. 15 %

In der Bundesrepublik Deutschland ist mit einem Anstieg der Anzahlen der an Demenz erkrankten Personen auf voraussichtlich 3 Millionen im Jahr 2050 zu rechnen. Jüngste Schätzungen (Stand: Februar 2014) gehen deutlich darüber hinaus. Unter den Mitgliedern der BARMER GEK Krankenkasse, die im Jahre 2009 mit über 60 Jahren verstarben, waren 47 % der Frauen und 29 % der Männer demenzkrank, zuvor waren davon jeweils ca. 90 % pflegebedürftig.

Häusliche Alten- und Krankenpflege

Oberbegriff für verschiedene Tätigkeitsbereiche der Sozialstationen und anderer ambulanter Dienste.

Häusliche Betreuung, gem. SGB XI, § 124

(1) Pflegebedürftige der Pflegestufen I bis III sowie Versicherte, die wegen erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz die Voraussetzungen des § 45a erfüllen, haben bis zum Inkrafttreten eines Gesetzes, das die Leistungsgewährung aufgrund eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs und eines entsprechenden Begutachtungsverfahrens regelt, nach den §§ 36 und 123 einen Anspruch auf häusliche Betreuung.

Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK)

ist der medizinische, zahnmedizinische und pflegerische Beratungs- und Begutachtungsdienst für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung in Deutschland.

Pflegende Angehörige

sind Personen aus der Familie, Freunde, Bekannte und Nachbarn eines pflegebedürftigen Menschen, die diesen Menschen ganz oder teilweise pflegen und betreuen. __ Die Familie ist auf informeller Basis der größte Pflegedienst im Staat. Die größte Personengruppe sind erwachsene Kinder, die ihre Eltern betreuen und pflegen, gefolgt von Eheleuten für ihren Partner, gefolgt von Eltern für ihre Kinder.

Pflegekassen

sind in Deutschland die Träger der sozialen Pflegeversicherung. Sie sind bei den Krankenkassen sowie bei der Bundesknappschaft errichtet worden, letztere ist für die Pflegeversicherung der knappschaftlich Versicherten zuständig. Die Pflegekassen haben eine Reihe von gesetzlichen Aufträgen wahrzunehmen. Diese finden sich im Elften Buch Sozialgesetzbuch, in welchem die Belange der sozialen Pflegeversicherung geregelt sind.

Sie erbringen Leistungen der Pflegeversicherung für ihre Versicherten. Dazu zählen Sach- und Geldleistungen ebenso wie Dienstleistungen. Dabei müssen sie die pflegerische Versorgung der Versicherten koordinieren und stets die Effektivität und die Wirtschaftlichkeit ihrer Leistungen überwachen.

Die Pflegekassen sind gehalten, Schulungen und Pflegekurse für Pflegepersonen durchzuführen.

Unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen zahlen die Pflegekassen Rentenversicherungsbeiträge für nicht erwerbstätige Pflegepersonen.

Die Pflegekassen müssen ein Versichertenverzeichnis führen und bestimmte Statistiken erstellen.

Sie müssen die ihnen zustehenden Beiträge einziehen, ihre Finanzmittel verwalten und darüber auch Rechenschaft ablegen.

In Zusammenarbeit mit den Trägern der Kranken- und Rentenversicherung sind die Pflegekassen gehalten, durch Prävention sowie Behandlungs- und Rehabilitationsmaßnahmen den Eintritt von Pflegebedürftigkeit zu vermeiden. Die Pflegekassen sind verpflichtet, ihre Versicherten über die ihnen zustehenden Leistungen zu informieren und zu beraten.

Aufgabe der Pflegekasse ist es ebenso, Verträge mit den Erbringern von Pflegeleistungen zu schließen (Pflegesachleistung). Theoretisch besteht auch die Möglichkeit, dass Pflegekassen eigene Pflegekräfte stellen, was jedoch in der Praxis kaum Bedeutung hat.

 

Pflegestärkungsgesetz III seit 2017

Bei allem gilt: Die Hilfe der Pflegeversicherung setzt in Zukunft früher an. Schon zu Beginn der Pflegebedürftigkeit werden beispielsweise Menschen dabei unterstützt, die eigene Wohnung pflegegerecht umzugestalten. So kann gute Pflege länger zu Hause stattfinden.

Es ist ein Meilenstein für die Pflege in Deutschland. Im November 2015 hat der Bundestag das Zweite Pflegestärkungsgesetz beschlossen. Damit wurden zahlreiche Verbesserungen für Pflegebedürftige, Angehörige und Pflegekräfte auf den Weg gebracht. Grundlage dafür sind vor allem die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes und des neuen Begutachtungsinstruments (Neues Begutachtungsassessment – NBA). Letzteres orientiert sich in Zukunft ausschließlich an den Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten der Betroffenen.

Gemäß dieser Prämisse bringt das Gesetz den gleichberechtigten Zugang zur Pflegeversicherung für alle mit sich. Davon profitieren vor allem die ca. 1,6 Millionen Menschen mit einer demenziellen Erkrankung, da ihre Beeinträchtigungen nun stärker berücksichtigt werden. Denn: Mit dem neuen Gesetz verschwindet bei der Begutachtung die unterschiedliche Behandlung von körperlichen Einschränkungen auf der einen Seite und geistig beziehungsweise psychisch bedingten Einschränkungen auf der anderen. Was zählt, ist der einzelne Mensch und seine Fähigkeit, den Alltag selbstständig zu bewältigen.

Ebenfalls neu ist, dass fünf Pflegegrade die bisherigen drei Pflegestufen ersetzen. Dies macht es möglich, Art und Umfang der Leistungen der Pflegeversicherung genauer auf den Bedarf abzustimmen. Es wächst die Zahl der Bürgerinnen und Bürger, die Anspruch auf Leistungen haben: Mittelfristig können etwa eine halbe Million Menschen mit dem neuen Pflegegrad 1, der ab 2017 eingeführt wird, erstmals überhaupt die Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen.

Gleichzeitig stellt das Gesetz – dies ist wichtig zu betonen – niemanden schlechter, der bisher schon Leistungen bezieht. Sehr viele Menschen werden vielmehr höhere Leistungen als bisher erhalten oder weniger zuzahlen müssen. Niemand, der bereits pflegebedürftig ist, wird zudem einen neuen Antrag stellen müssen, denn die Umstellung in das neue System erfolgt automatisch.

Um die angestrebten Verbesserungen zu erreichen, bringt das neue Gesetz einen fundamentalen Wandel in der Pflegeversicherung mit sich. Dieser muss gut vorbereitet

sein und bedarf vieler Schritte, die bis 2017 vollzogen werden müssen. Konkret bedeutet das für die Jahre 2016 und 2017:

Rund 2,7 Millionen Pflegebedürftige werden zu diesem Zeitpunkt automatisch in die fünf neuen Pflegegrade eingestuft. Begutachtungen erfolgen von nun an auf Basis des neuen Instruments.

Mit einem weiteren Gesetzgebungsverfahren soll eine Stärkung der pflegerischen Versorgung vor Ort erreicht werden. Unter anderem erhalten Kommunen zeitlich befristet die Möglichkeit, Pflegestützpunkte zu initiieren und Modellvorhaben„zur Beratung aus einer Hand“ durchzuführen. Darüber hinaus werden die Pflegekassen verpflichtet, sich an regionalen Gremien zu Fragen der pflegerischen Versorgung zu beteiligen.

Infolge des Pflegestärkungsgesetzes III stehen für die Pflege ab 2017 jährlich etwa 2,4 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung. Dafür ist das Gesetz mit einer moderaten und paritätisch finanzierten Beitragserhöhung verbunden. Der Satz der Pflegeversicherung steigt um 0,2 auf 2,55 beziehungsweise 2,8 Prozentpunkte für Kinderlose. Die Bundesregierung zieht zudem auch die gesetzlich vorgeschriebene Dynamisierung der Leistungen um ein Jahr auf 2017 vor. Damit stehen 2017 weitere rund 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Beiträge zur Pflegeversicherung bleiben bis 2022 stabil. Für die einmaligen Umstellungskosten wurde vorgesorgt. So können bereits vorhandene Mittel der Pflegeversicherung hierfür herangezogen werden.